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Höchster Preis in einer Versteigerung von Teppichen der William A. ClarkKollektion bei Sotheby‘s

Anfang Juni 2013 versteigerte das in New York ansässige Auktionshaus Sotheby’s 25 Stücke aus der Kollektion des früheren Kupferbarons und Senators William A. Clark. Zuvor wurde der Verkaufserlös auf 9,6 Millionen US-Dollar geschätzt, tatsächlich erzielten die Teppiche einen Preis von sage und schreibe 43.764.750 US-Dollar. Verkauft wurden die Stücke vom Besitzer, der Corcoran Gallery of Art, um zukünftige Anschaffungen der Kunstgalerie damit zu finanzieren.
Die Sammlung entstand im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als der damalige Kupferbaron und spätere Senator William A. Clark Teppiche aus dem Mittleren Osten und Asien sammelte. Damals galten antike Teppiche aus dem 16. Und 17. Jahrhundert nicht nur als exotisches Prestigeobjekt, welches den Stil und die Weltoffenheit des Besitzers unterstreichen sollte, sondern auch als Muss für Kunstsammler. Diesem Hobby gingen zur Zeit Clarks viele Industrielle nach, die Teppiche galten dabei als maßgebliche Unterstreichung der Schönheit der gesammelten Kunstobjekte.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Stücke zum Zeitpunkt der Auktion in einem außerordentlich guten Zustand befanden. So galt die versteigerte Sammlung als die besterhaltendste Anzahl antiker Teppiche, die in mehr als 80 Jahren versteigert wurde. Neben der Ehre, die Sotheby’s dadurch entstand, hatten so Sammler und Galerien eine der seltenen Möglichkeiten, hochqualitative Stücke aus dem 16. Und 17. Jahrhundert zu erwerben.
Die Sammlung und ihr Hintergrund: William A. Clark
William A. Clark war ein Großindustrieller der Kupferindustrie und späterer Senator in den USA des 19. Und 20. Jahrhunderts. Er beschrieb sich selbst als den „reichsten Mann westlich des Mississippi“ und pflegte einen dementsprechend eleganten Lebensstil. Seinem Wohnsitz schenkte er dabei besondere Aufmerksamkeit. Er ließ sich vom französischen Architekten Henri Deglane das größte Herrenhaus mitten in New York bauen, gelegen auf der Fifth Avenue und 77th Street. Der Architekt, der bereits das Grand Palais in Paris erbaut hatte, entwarf für Clark ein Schloss im französischen Stil, welches über 130 Zimmer und reichlich Galleriefläche zur Ausstellung der Kunstsammlung Clarks verfügte
Der wichtigste Kunsthändler, über den Clark sowohl seine zeitgenössischen Kunstwerke als auch viele seiner Teppiche kaufte, war der berühmte Vitall Benguiat. Durch ihn ersteigerte er eines seiner atemberaubendsten Stücke, einen über 13 Meter langen Teppich aus dem 17. Jahrhundert, hergestellt in der Region Isfahan. Zum Zeitpunkt seines Kaufs durch Clark war der Teppich im Besitz der berühmten Herzogenfamilie Lafões in der gleichnamigen Region Portugals und wird daher auch „Lafões-Teppich“ genannt. Rote Teppiche der Region Isfahan, zumeist mit spiralförmigen Pflanzenmotiven und Palmetten, waren zur damaligen Zeit äußerst beliebt und stellten insgesamt 17 Stücke der versteigerten Sammlung.
Clark kaufte aber auch viele weitere Stücke direkt, ohne den Zwischenschritt über Benguiat zu nehmen. 1915 erstand er wichtige Stücke seiner Sammlung in einer Auktion beim Vorgänger von Sotheby’s, der American Art Association. Versteigert wurden damals Teppiche des bekannten New Yorker Finanziers General Brayton Ives, die fünf Jahre zuvor im Metropolitan Museum of Art ausgestellt wurden. Auf der Auktion ersteigerte Clark zwei Safavidenteppiche der Art, die bis heute auch „Polonaise“ oder Polnische Teppiche genannt werden, auch wenn ihr Ursprung dort nur irrtümlicherweise vermutet wurde. In der Auktion 2013 waren zudem weitere Stücke von General Ives vertreten, die bereits 1910 in der Ausstellung gesehen werden konnten und später von Clark erstanden wurden, so ein seltener runder Cairin-Teppich, ein Wollteppich aus Isfahan mit metallenem Brokat sowie ein Mughal-Teppich aus Seide.
Das Stück, welches in der Auktion 2013 mit über 33 Millionen US-Dollar mit Abstand den größten Erlös brachte, war ein persischer Vasenteppich. Aufgrund seines Sichelblatt-Motivs wird der Teppich heute auch „Clark Sickle-Leaf Carpet“ genannt. Es handelt sich dabei um einen Safavidenteppich, der im frühen 17. Jahrhundert, der Zeit der Herrschaft des Shas Abbas I, entstand, der Zeitraum, der oft auch als goldenes Zeitalter des Teppichknüpfens bezeichnet wird. Clark kaufte das Stück bei einem seiner vielen Paris-Aufenthalte von den Händlern Bacri Frères. Bereits bei seinem ersten Besuch 1878 verliebte sich Clark in das Land, lernte Französisch und stattete ihm fortan jährliche Besuche ab. Sogar seine zweite Hochzeit fand 1901 in Frankreich statt, der Teppich dürfte für ihn daher auch viele positive Erinnerungen an dieses Land transportiert haben.